Ein Experiment

„Was nicht passt, wird passend gemacht“, dachte ich mir vor einigen Monaten – und bastelte mir meine eigenen, maßgeschneiderten Schuhweiter.

Selbst wenn ich mir weite Schuhe kaufe, drücken sie am Anfang oft stark. Meine persönlichen „Problemzonen“ sind dabei die kleinen Zehen und die Grundgelenke der großen Zehen, die bei mir recht prominent herausstehen.

Schuhe mit herkömmlichen Schuhspannern zu dehnen, bringt nichts, denn wenn die Schuhe im Großen und Ganzen passen, muss ich sie ja nicht rundherum ausbeulen, sondern nur an den besagten Druckstellen schon mal etwas vordehnen, bevor meine geschundenen Füße es tun müssen. Daher kam die Idee, mir einen individuellen Schuhweiter zu basteln. Die Idee ist vielleicht etwas verrückt, aber durchaus wirksam. An dieser Stelle berichte ich Euch von meinen Erfahrungen.

So bin ich vorgegangen

  • Zunächst habe ich im Baumarkt eine große Platte Styrodur gekauft, auch Hartschaumplatte genannt. Kosten: € 3,30 für eine 20 mm dicke Platte (125 cm x 60 cm – eigentlich viel zu viel Material).
  • Dann habe ich meinen Fuß auf die Platte gestellt, die Kontur abgezeichnet und angefangen, entlang der Linie zu schneiden: Zunächst habe ich es mit einem Teppichmesser versucht, bin dann aber zu einem kleinen, gezackten Brotmesser übergegangen. Das Material war ganz gut zu bearbeiten.
  • Das erste Ergebnis war verblüffend: Meine Fußsilhouette war so viel breiter als die Schuhsohle meines Schuhs, dass die Form so gar nicht erst in den Schuh gepasst hätte. Natürlich wusste ich, dass Füße in Schuhen tendenziell zusammengedrückt werden, aber zu sehen, in welchem Maße, hat mich doch überrascht!
  • So war mit dem Schuhspanner nichts anzufangen, denn er war viel zu breit. Also habe ich Stück für Stück etwas an den Seiten abgenommen. Letztendlich habe ich sogar die „Zehen“ oben abgeschnitten, da ich wollte, dass der größte Druck auf jeden Fall an besagten Problemstellen ausgeübt wird.
  • Des Weiteren musste ich die eckigen Kanten an den Seiten noch abrunden, sodass sie der Form des Fußes besser gerecht wurde.
  • Schnippeln, probieren, mit dem echten Fuß vergleichen, schnippeln, probieren …
  • Voilà: knarzend und vorsichtig kann ich nun meinen Styrodurfuß in meinen Schuh einsetzen.

 

Bewertung

  • Mein erstes Learning war zugegebenermaßen, dass man Stoffschuhe eigentlich nicht wirklich signifikant dehnen kann.

Dehnen empfiehlt sich nur für Schuhe aus echtem Leder. Schuhe aus Stoff, Kunstleder und Plastik sollten nicht nachträglich verformt werden.

  • Inzwischen habe ich jedoch so manchen Lederschuh gefügig gemacht und bin von meiner Kreation ganz angetan.
  • Auch bei Echtleder sollte man das Dehnen nicht übertreiben, sonst könnte das Material rissig werden. Es geht nur um ein leichtes Andehnen bei Schuhen, die im Grunde schon so gut wie passen.
  • Logisch, dass der Schuh dadurch nicht „schöner“. Aber ich fand die Weitung nie wirklich sichtbar und … wenn ich die Wahl habe, ob der Schuhspanner den Schuh dehnt oder mein Fuß das übernehmen muss, ist mir der Schuhspanner 100x lieber.
  • Mit meiner Materialwahl bin ich recht zufrieden. Ich hatte zunächst an Holz gedacht, aber ich habe weder die Kenntnisse noch die Werkzeuge, um dies selbst zu bearbeiten. So oft, wie ich nachgearbeitet habe, hätte ich diese Arbeit auch nicht fremdvergeben können und wollen.
  • Das Styrodur ist stabiler als Styropor und recht einfach zu bearbeiten. Beim Einsetzen des Schuhweiters achte ich darauf, behutsam vorzugehen. Bis jetzt ist immer alles heil geblieben.

Es muss schneller gehen?

Natürlich möchte man das neue Paar Schuhe mitsamt Schuhspannern nicht erstmal geraume Zeit in die Ecke stellen und dehnen, bevor man es tragen kann. Deshalb kann man (muss aber nicht) dem Dehneffekt ggf. nachhelfen, indem man Dehnungsspray* verwendet. Dieses erhält man im Schuhgeschäft oder online. Man trägt es von innen und außen auf die zu dehnende Stelle des Schuhs auf, setzt den Schuhspanner ein (oder: den eigenen Fuß) und lässt es trocknen. Das Leder passt sich der Form des Schuhspanners/des Fußes an.

Dies soll übrigens auch mit Essig, Spiritus, Urin (!) oder heißer Fönluft funktionieren. Diesbezüglich habe ich jedoch keinerlei Erfahrungen vorzuweisen, von denen ich berichten könnte.

 

Leider ahnte ich zu der Zeit, als ich meine Schuhspanner gebastelt habe, noch nicht, dass ich einmal meine Schuh-Erfahrungen in einem Blog teilen würde – sonst hätte ich mir mehr Mühe beim Fotografieren meines kreativen Chaos’ gegeben. Ich hoffe, es reicht trotzdem für einen Eindruck und schreckt niemanden vom Ausprobieren ab.

Viel Spaß beim Nachbasteln!

 

 

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